Malvasia
Der Istrische Malvasia ist eigentlich ein politischökonomisches Projekt, das die Gestalt einiger hervorragender und einer ganzen Reihe solider Weine angenommen hat. Die jungen istrischen Politiker sind Mitte der neunziger Jahre zu der Einschätzung gelangt, dass der istrische Tourismus, wenn der Krieg erst einmal vergessen sein würde, auch von Wein, Trüffel und Olivenanbau leben könnte und nicht nur von Sonne und Meer. So hat die Gespanschaft Istrien bald begonnen, die Pflanzung von Weinbergen und Olivenhainen systematisch zu fördern und die istrischen Weine zu propagieren. Der Istrische Malvasia war die einzige Traube, die den istrischen Politikern und den neuen istrischen Winzern zur Verfügung stand und aus der man viel soliden Wein produzieren konnte. Sie wurde bereits seit langem in Istrien angebaut. Und so haben die istrischen Politiker, Propagandisten, Tourismusbeamten, Winzer, Gastronomen und Popmusiker alles in ihrer Macht stehende getan, um aus dem Istrischen Malvasia ein erstklassiges Politikund Medienevent zu machen, das breiteAufmerksamkeit erregte. Das ist ihnen schließlichauch gelungen. Außer dem önologischenTriumph und den hervorragenden wirtschaftlichen Resultaten wurde der Malvasia auch ein symbolisches Markenzeichen Istriens und ein wichtiger Teil der istrischen Identität. Die ambitionierten Istrier beschlossen, das Projekt der Malvasialancierung im wahrsten Sinne des Wortes auf die ganze Welt auszudehnen, und so wurde im Frühjahr 2005 in Rovinj der Weltkongress über den Malvasia abgehalten. Der immer aktive Mato?evi? ist nach dem Kongress zu einer großen Reise in alle europäischen Länder augebrochen, in denen diese alte Traube in ihren verschiedenen Varianten seit der Antike gezüchtet wurde. In jedem Fall tragen heute in Istrien fünf- bis sechstausend Hektar Weinberge den Malvasia, und einige der Istrischen Malvasias wie der Santa Lucia Kozlovi?s haben das Niveau ernstzunehmender internationaler Weine erreicht.










