Berühmte Winzer kroatischer Herkunft
Wie auch anderswo am Mittelmeer wird Wein in Kroatien bereits seit der Antike erzeugt: Es gibt eine ganze Reihe griechischer und römischer Zitate, die sich auf die Weine von den dalmatinischen Inseln beziehen. Weniger bekannt ist jedoch die Tatsache, dass die kroatischen Winzer in den vergangenen hundert Jahren außerordentlich großen Einfluss auf die internationale Weinszene hatten. Als am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Reblaus die istrischen und dalmatinischen Weinberge befiel und die Weinproduktion im wahrsten Sinne des Wortes dezimierte, kam es zu einer massenhaften Auswanderung von Kroaten aus diesen Landesteilen in die Überseegebiete. So gehörten Kroaten beispielsweise zu den Begründern der Weinindustrie in Neuseeland, wo die Häuser Nobilo und Babi? noch heute ausgesprochen erfolgreich agieren und ernstzunehmendes internationales Ansehen genießen. Ein Neuseeländer Kroate ist auch Jim Vuletich, der Schöpfer des sehr teuren und fast unerschwinglichen Rotweins mit Kultstatus Providence, der mit Recht zur engsten Weltspitze der Weine aus der neuen Welt gezählt wird. Aber der weltweit bekannteste kroatische Winzer ist doch unzweifelhaft Miljenko Mike Grgi?, der nach einer brillanten Karriere in Kalifornien in der Mitte der neunziger Jahre ein Weingut in Trstenik nahe Dubrovnik aufgebaut hat. Mike Grgi?, ein untersetzter älterer Herr, der langsam und deutlich spricht, voller Selbstvertrauen, begann seine Karriere als Winemaker des großen Robert Mondavi, des Mannes, der den modernen kalifornischen Weinbau erst geschaffen hat und dessen Reich sich bereits seit über dreißig Jahren unablässig erweitert. Nachdem er Mondavi verlassen hatte, begann Grgi?, Weine für Chateau Montelena zu produzieren, einen anderen sehr angesehenen Erzeuger aus dem Napa Valley in Kalifornien. Aus Anlass der 200-Jahrfeier der amerikanischen Revolution wurde 1976 in Paris eine kompetitive Verkostung der besten französischen und kalifornischen Weine veranstaltet. Unter den Weißweinen gewann der Chardonnay des Chateau Montelena aus dem Jahre 1973 den ersten Platz und besiegte damit die unvergleichlich teureren Montrachets auf ihrem eigenen Terrain. So ist Mike Grgi? in die Geschichte eingegangen. Grgi? hat später im Napa Valley das Weingut Grgich Hills gegründet, das er gemeinsam mit seiner Tochter führt. Hier werden schon seit vielen Jahren zuverlässige, elegante und zurückhaltende Standardweine produziert, die im Stil erheblich von der bis vor kurzem im Trend liegenden hochalkoholischen kalifornischen Produktion abweichen. Außer Grgich Hills ist in Kalifornien auch das Weingut Dobra Zemlya tätig, das ein Ehepaar mit kroatischer Herkunft in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gegründet hat. In Südamerika, in Chile, hat der verstorbene Multimilliardär kroatischer Herkunft, Androniko Luk?i?, vor vielen Jahren die große und erfolgreiche Weinkellerei San Pedro gekauft. Die Welterfolge von Winzern kroatischer Herkunft und Abstammung zeugen am besten davon, wie tief und natürlich der Weinbau und die Weinindustrie in Kroatien verwurzelt sind. Der kroatische Weinbau teilt sich in zwei Hauptregionen: In die kroatische Küstenregion und in das kontinentale Kroatien. Die Küstenregion Kroatiens ist weiter unterteilt in die Unterregionen Istrien, das Hrvatsko Primorje, Norddalmatien, die Dalmatinska Zagora sowie das Mittlere und Südliche Dalmatien. Das kontinentale Kroatien ist in eine ganze Reihe von Unterregionen unterteilt, von Podunavlje über Slawonien, die Moslavina, eine Unterregion in der Nähe von Zagreb, bis nach Medjimurje und das Zagorje. Hinsichtlich der wirklichen Situation im kroatischen Weinbau sind jedoch drei Unterregionen wesentlich: erstens das Mittlere und Südliche Dalmatien, das einzigartige, potentiell für den Export außerordentlich wichtige Rotweine aus dem Mali Plavac produzieren kann, einer einheimischen kroatischen Sorte. Dann Istrien, das den größten Teil seines Weins durch den Tourismus verkauft und dessen Weinboom der letzten zehn Jahre sich ebenfalls auf eine autochthone Sorte gründet, den Istrischen Malvasia. Und schließlich Slawonien, das ideale klimatische Bedingungen und hervorragende Böden für die Produktion von Weinen aus internationalen Sorten besitzt, was die Erfolge von Enjingi und Krauthaker bestätigen. Das Mittlere und Südliche Dalmatien, Istrien und Slawonien sind also unzweifelhaft am repräsentativsten für das kroatische Weinangebot. Innerhalb dieser Regionen lohnt es sich, auf bestimmte Weinberge hinzuweisen wie zum Beispiel den von Kutjevo in Slawonien oder die von Pelje?ac und Hvar in Dalmatien, wo einige der besten kroatischen Weine gewonnen werden, aber auch auf einzigartige Lagen wie den Dinga? auf der Halbinsel Pelje?ac, der schon seit über hundert Jahren als exklusivster Weinberg für den Anbau des Mali Plavac gilt. Leider ist es wegen der Unzulänglichkeit der Grundbücher heute unmöglich, mit völliger Sicherheit zu sagen, wie viele Hektar Land in Kroatien insgesamt mit Weinreben bepflanzt sind. In der älteren Literatur werden Zahlen von über 80.000 Hektar genannt, aber viele Experten meinen, dass es trotz der intensiven Anlage neuer Weinberge in den letzen Jahren wesentlich weniger sind.










